Johanna Braun installation view MUSA Startgalerie 2013

 

I´M A NECROMANCER, NOT A BELLY DANCER.

When the house is finished, death comes.“ a Turkish saying, which already inspired Thomas Mann, comes to mind in the context of this exhibition. But one does not have to wait so long. Johanna Braun has installed in the Startgalerie of the MUSA a Haunted House setting that operates by its own accord. The beholder will find a cozy sitting area in front of a TV that will only show a wide range of trailers the artist collected over the years. You will get to see rare clips from the early beginnings of cinema as well as recently released trailers from big studio productions. What they all have in common is the Girl in White. The Girl that haunts a place and uncovers it’s hidden secrets. The walls of the whole exhibition area are covered in materials the artist also collected manically on this subject. There you will find postcard reproductions of almost unknown paintings of Munch, Magritte and Picasso in which they have very prominently made the uncanny Girl in White the center of inspiration. As the exhibition title already suggests, Johanna Braun sees herself as a necromancer. Necromancy derives from the Greek words νεκρομαντεία (nekromanteía), a composition from the ancient Greek νεκρός (Necro) „corpse" and μαντεία (Manteia) „prophecy or divination.“ Also noteworthy is the word relationship to necrophilia (necro - romancer). Which can be taken literally in Braun’s case. The artist has a great love for the ghosts of the past that are still haunting the present. She is even with them in bed one can say. Braun presents her bed in the center of the gallery and invites the audience to sit with her during the opening. Here in her bed, she will be part of a higher performance, which the artist calls amusingly “The Oracle of Selphy”. Similar to the practice of Mediums and as a vessel for the long gone spirits she will contact the past to get answers for the future. The lens of the camera functions as a third eye. During the sit-in she will take with a remote control a picture which can then be taken home as a souvenir of the encounter with the spirits.

 

Wenn das Haus fertig ist, kommt der Tod“. Ein türkisches Sprichwort, das sich Thomas Mann geliehen hat um es seinem Johann Buddenbrook in den Mund zulegen. Bei der Ausstellung muss man erst gar nicht so lange warten. Wie der Titel verrät, versteht sich Johanna Braun als necromancer, was soviel wie Geister- oder Totenbeschwörerin bedeutet. Nekromantie leitet sich aus dem griechi schen νεκρομαντεία (nekromanteía) ab, eine Zusammensetzung aus dem altgriechischen νεκρός (nekrós) „Leichnam“, und μαντεία (manteía) „Prophetie oder Mantik“. Ebenfalls auffällig ist die Wort-Verwandtschaft zur Nekrophilie (necro-romancer). Die kann man bei Braun wörtlich nehmen. Hegt doch die Künstlerin eine große Liebe für die Geister der Vergangenheit, die in der Gegenwart noch ihr Unwesen treiben. Man könnte behaupten, dass sie mit eben diesen sogar unter einer Decke steckt. In dieser Ausstellung sprichwörtlich. So stellt Braun ihr Bett in den Räumlichkeiten der Startgalerie auf und lädt bei der Eröffnung Besucher_innen ein sich mit ihr ins Bett zu legen. Als Souvenir gibt’s ein Foto. Das eigentliche Herzstück der Ausstellung bildet der Mnemosyne Bilderatlas des Unheimlichen. Des unheimlich Weiblichen um genau zu sein. Ganz in der Tradition von Aby Warburg, der seinen Atlas auch ganz passend als eine „ghost story for adults“ beschrieb. Diese Umschreibung hat sich Braun in ihrer Arbeit zum Leitspruch gemacht. Braun gibt Einblick in ihr Sammelsurium von Filmplakaten, und Trailern, Reproduktionen von alten Malereien in Postkartengröße, Zeitungsausschnitten und ihren eigenen Arbeiten. Beim ersten Anblick der Bildanordnung bekommt man den Eindruck, diese unterliege ganz einfach der puren Phantasmagorie der Künstlerin. Bei näherem Hinsehen jedoch leuchtet ein, wie es zu der einen oder anderen Verbindung kommen konnte. Die einzige Konstante in diesem Verlauf der Gedankenstränge scheint das unheimliche Mädchen zu sein. Durch die ständige Wiederholung wird der Blick der Betrachter_innen geschärft. Eines der theoretischen Probleme der Wiederholung und Überarbeitung ist die Frage nach Authentizität. Was ist ein Original, was eine Kopie? Die Wände sind dicht bedeckt mit Abbildungen, welche die Künstlerin zusammengetragen hat. Gerade in dieser Fülle an Material fallen immer wieder die leeren Stellen zwischen den überladenen Wandflächen auf. Doch gerade diese Lücken geben den Anschein als würden sie die Geister der Vergessenheit herauf beschwören. Und genau hier, zwischen den Zeilen, zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, zwischen dem Realen und Imaginären wird Walter Benjamins Frage nach dem Authentischen, nach dem Auratischen im Werk beantwortet. Am Tagesende wird den Betrachter_innen auch ganz klar: Das Heraufbeschwören hat auch seine Schattenseiten. Um Goethes Worte in Brauns Mund zu legen:

Immer neue Güsse bringen sie herein,
Tausend schwarze Flüsse stürzen auf mich ein.
Hör mich an, oh Meister, meine Not ist groß:
Die ich rief, die Geister, werd’ ich nie wieder los
.
(J. W. v. Goethe: Der Zauberlehrling)

 

JOHANNA BRAUN. I´M A NECROMANCER, NOT A BELLY DANCER.
Startgalerie im MUSA, 5.4.– 2.5.2013
Felderstraße 6– 8, 1010 Wien
www.musa.at